Perspektive

Perspektive

Voller Ideen, Pläne und Tatendrang zu stecken – das ist schön. Doch was, wenn all die verheißungsvollen Erwartungen in eine Tretmühle münden? Was, wenn Plan B so viel Kraft raubt, dass man keine Perspektive mehr hat? Eine sehr bilderlastige Sachverhaltsdarstellung.


Ist es nicht toll, auf einer Anhöhe zu stehen, um einen schönen Fernblick über die Landschaft zu genießen?


Ist es nicht nett, wenn all die Häuser und Straßenzüge überschaubar unter uns liegen und so klein wirken wie die Elemente einer Modelleisenbahn? Es ist schon etwas Erhebendes, Perspektive zu haben.


Das gilt für die Perspektive auf unser physisches Umfeld, aber auch – etwas abstrakter – für unser Leben.

Klicke hier, wenn du eine genaue Definition von „Perspektive“ willst.

Perspektive aus dem Französischen des 16. Jahrhunderts entlehnt, bedeutet ‚Sehkunst, Fernsicht‘, zu spätlateinisch perspectivus ‚durchschauend‘, perspectus ‚durchschaut, völlig bekannt, bewährt‘, PPP von lateinisch perspicere ‚mit dem Blick durchdringen, hineinsehen, durchschauen‘ Quelle: Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin – Boston 2011, S. 694.


Machen wir uns die Mühe, auf eine Anhöhe zu steigen, dann liegt das Bekannte, Bewährte ganz klein vor uns. Wie beliebt die Perspektive ist, zeigt sich in den Aussichtsplattformen, -warten und -türmen.

Doch auf dem Lebensweg gibt es mitunter lange Strecken, an denen keine Aussichtswarte bereit steht.

Solange wir das Gefühl haben, dass uns mehrere Wege offen stehen, fühlen wir uns wie Feuerwerkskörper, die pfeifend nach oben zischen und wir erwarten, dass wir uns, sobald wir uns für einen Weg entschieden haben, farbenprächtig und glitzernd am Firmament entladen.


Während dieser Zeit wandern wir auf einem Lebensweg, der gar keine Aussichtswarten braucht, weil die schöne Fernsicht fast durchgehend unverbaut ist. Schließlich hat man sich das Leben noch nicht verbaut.

Doch irgendwann bemerken wir, dass ein Berufsjahr nach dem anderen vergangen ist, doch die einst erwartete glamouröse Entfaltung hat sich immer noch nicht eingestellt.
Aus dem zischenden Feuerwerkskörper scheint ein Wagenrad, das im Morast feststeckt, geworden zu sein. All die Kraft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, scheint nichts zu bewirken.
Die Jahre vergehen, aber das Rad dreht höchstens an Ort und Stelle durch. Eh toll, wenn man sich durch einen Job schöne Urlaube, eine tolle Wohnung und vielleicht ein Motorboot und ein super Auto leisten könnte. Was aber, wenn dieses Hamsterrad nur das Allernötigste für ein bescheidenes Leben abwirft?
Und zwar können wirklich viele, viele Jahre vergehen, in denen man die beste Lebenszeit verkauft und alles stagniert. Tatsächlich sind es viel mehr Wochen, als ich hier darstellen kann.

Dann sehnt man sich doch nach Perspektive, oder? Und genau das thematisiere ich in diesem Song.

Perspektive – der Song

Seit Jahren kleb ich in der Fruchtfliegenfalle
Hänge fest wie der Bulle im Stalle.
Fürchte mich trotzdem, vorm weiten Meer
Fühl mich verloren im Stadtverkehr.
Wie mit Sommerreifen im tiefen Schnee
Häng ich fest bei Plan B.
Ich brauch endlich Perspektive.
Endlich eine Perspektive
Per - spek - ti-ive!
Ich fühl ein Joch wie ein alter Ochse
Dabei ists nur Nebel, gegen den ich boxe.
Wie ein Huhn in der Legebatterie
Möchte ich hinaus, aber weiß nicht wie.
Also wart ich, bis der Blitz einschlägt,
Oder ein Orkan den Stall abträgt.
Ich brauch endlich Perspektive.
Endlich eine Perspektive
Per - spek - ti-ive!
Ich tret die Kupplung, aber find einen Gang.
Die Zeit des Stillstands dauert mir schon zu lang.
Vielleicht ist es der Kupplung zu kalt
Oder das Getriebe ist schon zu alt.
Nun wart ich auf einen Gunstfaktor,
Der zum Laufen bringt, den Traktor.
Ich brauch endlich Perspektive.
Endlich eine Perspektive
Per - spek - ti-ive!

Klar sind wir frei, uns eine andere Lohnarbeit zu suchen. Aber es würde das gleiche Bild ergeben, höchstens mit anderem Hintergrund.

Klicke hier für meine Lösungsvorschläge gegen das Hamsterrad: 1. freie Zeiteinteilung 2. Umorientierung, Weiterbildung mindestens 2x im Leben 3. viel mehr Urlaub (mindestens 3 Monate)

Ich habe nichts dagegen, Arbeit zu leisten. Mir geht es nur um das Setting, in der diese Arbeit geschehen muss. Ich würde lieber projektbezogen arbeiten: von mir aus einige Tage und Nächte durch und dann bitte eine längere Ruhephase, um sich mit anderen Dingen beschäftigen zu können. Wenn das nicht machbar ist, dann möchte ich mir die Arbeitszeit frei einteilen können. Warum muss ich im Büro hocken, wenn draußen die Sonne scheint, wenn ich schwimmen gehen könnte und für mich selbst bleiben nur Abend und Nacht übrig? Diesen Bürokram könnte ich doch auch erledigen, wenn es draußen finster ist. Diese 8 to 5-Arbeitszeiten stehlen uns die beste Lebenszeit. Und das nur, weil der Arbeitgeber einen unter Kontrolle haben will. Ich weiß, dass freie Zeiteinteilung in vielen Berufen einfach nicht möglich ist, aber in manchen Jobs würde es gehen. Wusstest du, dass das mittelhochdeutsche arebeit noch ‚Mühsal‘ und ‚Plage‘ bedeutete? Arbeit kommt unter Umständen einer jahrzehntelangen Geiselhaft gleich. Ich kann doch nicht Jahrzehnte lang täglich die beste Tageszeit für etwas aufwenden und dies permanent mit der gleichen Begeisterung machen. Diese Routine stumpft doch ab! Ein weiterer Vorschlag wäre also, sich im Laufe des Berufslebens mindestens ein bis zweimal umzuorientieren, eventuell eine neue Ausbildung zu machen. (Das geht auch nebenberuflich.) Super wäre es auch, wenn ein Beruf mehr Freizeit böte als die lausigen fünf Wochen Urlaub im Jahr. Sorry, aber ich brauche Urlaub nicht nur zum Chillen, sondern für Familie, Weiterbildung, für kreative Entfaltung, Musik und nicht zuletzt, um mich um meinen Körper zu kümmern, der durch die ständige Hockerei am Schreibtisch ziemlich leidet. Drei Monate Urlaub wären meine Vorstellung. Mein Fazit: Arbeit? Ja, gerne! Lebenslange Geiselhaft ohne Zeit für die wichtigen Dinge im Leben? Nein, bitte nicht mehr!


Mitunter müssen wir uns selbst so eine Aussichtswarte bauen, weil wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Auch diese Songgeschichte beschäftigt sich mit Perspektiven und Möglichkeiten:

Aber jeden Montag gibt es eine Perspektive, denn jeweils um 7 Uhr morgens erscheint ein neuer Blog-Beitrag. Das sind die Neuen:

  • Phantasien
    Als die Bettlade noch das Tor zu einer phantastischen Parallelwelt war und die Astlöcher auf jedem Brett Theater spielten: Phantasien darf nicht untergehen, denn ein bisschen kindliches Kopfkino macht den Boden der Realität nicht nur erträglicher sondern auch ein bisschen schöner.
  • Warum wir heuer keine Klamotten kaufen
    Es soll mir nie wieder jemand damit kommen, Schulabschlussarbeiten seien für’n Hugo. Jene meiner Tochter ist noch nicht einmal ganz fertig und schon hat sie mein Mindset verändert, denn sie hat mir… Warum wir heuer keine Klamotten kaufen weiterlesen
  • Das ist ja zum Niesen
    Das lustig-bunte Titelbild soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ernste Angelegenheiten handelt: rote Nasenlöcher, Rotz-Katapulte und Klopapier, das zum Schleifpapier taugen würde. Fünf Gründe, warum Schnupfen zum Kübeln ist, fünf weitere, warum es ihn geben muss und fünf Tipps, wie man ihn überlebt.
  • Wunschlos unzufrieden
    Was würdest du wollen, wenn du alles haben oder tun könntest? Ich meine jetzt nicht Wünsche, die die ganze Welt betreffen, sondern nur dich und dein Leben. Fällt dir etwas ein? Gut! Denn es soll Leute geben, die keine Wünsche haben, aber trotzdem chronisch unzufrieden sind.
  • Rückblick zum Jahresbeginn
    Von wunden Herzen über den Wunsch nach Perspektive bis zum weißen Weihnachtswunder: Zum Halbjahresjubiläum dieses Blogs gibt es heute die zweiten drei Monate im Schnelldurchlauf. Das Special zum Jahreswechsel 2025-2026, Volume 2.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert