Burnout

Burnout

Wenn ein gelangweilter Taugenichts einer Fremden über Messenger schreibt, verwandelt er sich plötzlich in einen Modezaren oder Stararchitekten. Während der Lockdowns hatten die falschen Identitäten Hochkonjunktur und wurden ganz schön lästig.


Ich weiß, mit Burnout ist nicht zu spaßen, denn es handelt sich um eine Depression wegen Überlastung. Hier geht es um lästige – ja, sogar aggressive – Kontaktaufnahmen, die mich auch auf eine gewisse Art auszubrennen drohten.

Es war zur Zeit der Pandemie-Lockdowns, als es offenbar vielen Leuten den Vogel raushaute, weil niemand in eine Bar oder in ein Café gehen konnte. Sie konnten ihrem ungebrochenen Bedürfnis nach sozialer Interaktion nicht im gewohnten Maß nachgehen.

Also gebrauchten sie die sozialen Medien als einzig verfügbares Portal zur Welt und bombardierten Mitmenschen mit mehr oder weniger fantasievollen Nachrichten, wobei sie zum Teil aggressiv wurden, wenn sie keine Antwort erhielten.

Weil damals ohnehin nicht an zeitnahe persönliche Treffen zu denken war (die vermutlich auch gar kein Ziel waren), konnten die Aggressoren mit ihren Wunsch-Identitäten, die erstunken und erlogen waren, hausieren gehen.

Davon erzähle ich in folgendem Song:


Burnout – der Song

Der eine behauptet, er sei ein Architekt –
Nur lägen seine Häuser zu versteckt,
Drum würd ich davon wohl nie etwas sehen,
Aber aus – aus soll ich mit ihm gehen.
Einer der eifrigen Nachrichten-Schreiber stellte sich gleich mal als Architekt vor. Ja, genau!
Ich krieg Burnout – wenn wir uns jemals sehen,
Wie kann ein Mensch dem anderen nur so einen Blödsinn erzählen?
Ich krieg Burnout, wenn der mir nochmals schreibt.
Er wär mir einfach lieber, wenn er ein Fremder bleibt.
Der vermeintliche Herr “Architekt” wird wohl eher Luftschlösser auf seiner durchgelegenen Couch entwerfen und tagein – tagaus auf Facebook und Insta Adressatinnen suchen, die ihm seine Gedanken-Gebäude abkaufen.
Der nächste entwirft super Kleider,
Nur werd ich nie eines anziehen – leider!
Sein Gschäftl in Salzburg – das find ich nie,
Denn all das gibts nur in seine Fantasie.
Ein anderer führte sich selbst als erfolgreichen Damenmoden-Designer mit eigener Boutique in Salzburg ein. Der “vielbeschäftigte Unternehmer” wurde auch gleich zornig, als er keine Antwort erhielt.

Ich krieg Burnout – wenn wir uns jemals sehen,
Wie kann ein Mensch dem anderen nur so einen Blödsinn erzählen?
Ich krieg Burnout, wenn der mir nochmals schreibt.
Er wär mir einfach lieber, wenn er ein Fremder bleibt.

Ich gehe stark davon aus, dass dieser “Unternehmer” nicht Kundinnen schöne Kleider auf die Leiber schneidert, sondern als AMS-Kunde von etwas zu viel Tagesfreizeit gelangweilt ist.
Mein Account ist wie ein Taubenschlag,
Wie ich mich mit dem Blockierern plag!
Wie viele falsche Identitäten
Wünschen mich denn noch zu daten?
Der Nächste will ein Tierarzt sein
Und fühlt sich grad – mein Gott – so allein.
Er wünscht prompt einen Chat zu starten,
Will keine Minute auf Antwort warten.

Ein Tierarzt, der so tierisch gelangweilt ist, dass er über Social-Media nach menschlichen Opfern sucht und ebenfalls gleich wütend wird, weil er keine Antwort erhält? Mir fehlt der Glaube daran.

Ich krieg Burnout – wenn wir uns jemals sehen,
Wie kann ein Mensch dem anderen nur so einen Blödsinn erzählen?
Ich krieg Burnout, wenn der mir nochmals schreibt.
Er wär mir einfach lieber, wenn er ein Fremder bleibt.

Ich habe einen anderen Verdacht: Der “Tierarzt” (r.) wohnt als missratenes Sorgenkind noch bei Mama (l.), schlägt sich als ungelernte Kraft mit Gelegenheitsjobs durch und hängt vor allem am Handy, um fremde Frauen zu belästigen.

Als die Lockdowns vorbei waren, wurden die unerwünschten Nachrichten weniger, aber sie rissen nicht ganz ab. Corona veränderte die zwischenmenschlichen Interaktionen nachhaltig und die sozialen Medien bieten verkorksten Personen, die sich im echten Leben nie jemanden ansprechen trauen würden, Chancen, sich feige hinter falschen Identitäten zu verstecken und so richtig goschert zu sein.

Eine zeitlang hab ich auf Facebook auch Leute angenommen, die ich nicht kannte, weil ich dachte, sie würden sich für meine Musik oder Cartoons interessieren. Fehlanzeige. Und auch anfängliche Höflichkeit kann sich rächen.

Die meisten Nachrichten kann ich jetzt nicht mehr abrufen, weil all ihre Absender blockiert sind und manche vielleicht auch mich blockiert haben. Aber ich erinnere mich an viele aggressive Unmutsäußerungen ob meiner Ignoranz.

Zum Beispiel sandte mir einer im 30-Minuten-Takt “Hi”. Nach ungefähr fünf Mal “Hi” kam die Nachricht “Bist du zu oft mit dem Schädel an die Wand gedonnert, oder warum schreibst du nicht zurück?”. Hier bringe ich eine kleine Auswahl an unerwünschten Nachrichten:

Eine falsche Identität, die vorgibt, mich zu kennen? Gruselig! Wäre er ein echter Bekannter, müsste er sich nicht so kryptisch anpirschen. Mein Resümme: Das alles sind Energievampire, die ihrer Fadesse entkommen wollen, indem sie möglichst vielen Menschen so richtig auf die Nerven gehen.

Weißt du, wie ich solche Leute nenne? Sieh selbst:

Heute machen sich Messenger-Nachrichten auf meinem Handy weder durch einen Signalton bemerkbar, noch erscheinen sie ad hoc auf dem Display, aber als ich das noch nicht weggeschaltet hatte, rissen mich solche dummen Nachrichten teilweise spät nachts aus dem Schlaf.

Obwohl – ganz aufgehört hat der Wahnsinn nicht, denn erst gestern klingelte diese WhatsApp eines ehemaligen beruflichen Kontakts auf meinem Handy. Ich werde wohl nicht die Einzige sein, der er das geschickt hat.

Meine neuen Blog-Beiträge klingeln garantiert nicht, aber sie erscheinen jeden Montag um 7 Uhr. Wenn du wieder reinschaust, dann freue ich mich:

  • Die gute und die schlechte Abhängigkeit
    Der Kapitalismus steht über allem, auch über dem Patriarchat. Oder warum sonst haben Chefs eigentlich noch Besitzansprüche, die Ehemännern von Rechts wegen längst entzogen wurden, weil sie unmoralisch sind? Warum ist es legitim, sich von Unternehmen in einer Art ausnutzen zu lassen, die man in einer Beziehung nicht mehr dulden würde?
  • Positives Festkleben
    Die Lehre von der Macht des positiven Denkens ist schon ein gutes Geschäft. Wer seinem Mindset die alleinige Schuld an allen äußeren Umständen zuschreibt, bleibt vielleicht zu lange in einer toxischen Situation kleben und holt sich eben Hilfe bei Gurus, um sie zu ertragen. Dabei kommt nicht alles Gute oder Schlechte nur von innen.
  • Voll gefoggt
    Was haben manche Gespräche und Verhandlungen mit Zauberkunst zu tun? Sie entwickeln sich durch Ablenkung ganz anders als erwartet. Wenn der rote Faden im Nebel verschwindet, dann steht ein Gesprächspartner auf und geht, denn er hat erfolgreich „Fogging“ betrieben und somit gewonnen.
  • ‘Sie ist ja selber schuld’
    Das Special zum Valentinstag kann eigentlich gleich nahtlos ins Weltfrauentag-Special übergehen, denn es hängt ja eh alles zusammen. So wie manche Menschen den Valentinstag als unnötig betrachten, weil er ja ohnehin nur ein Turbo für den Blumenhandel sei, so halten einige den Internationalen Frauentag für überholt. Der Mann sei ja ohnehin nur Spiegel des Selbstwertes der Frau.
  • “Ich war zu wählerisch”
    Manchen geht der Plan eines gutbürgerlichen Ehelebens nie auf, obwohl sie die besten Voraussetzungen hätten. Warum das so ist, versuche ich am Beispiel von Ferdinand herauszufinden. Offenbar hat er sich die Hörner jetzt abgestoßen, denn im Interview erzählt er von zu hohen Ansprüchen, Neurosen und Selbsterkenntnis.

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