Manchmal wundert man sich schon, wohin sich Amors Flammenpfeil verirrt. Aber es macht nix, sich in Menschen ohne Wertschätzung, ohne Benehmen, ohne charakterliche Attraktivität zu verknallen. Vorausgesetzt man wird rechtzeitig von diesem Gefühl geheilt und sieht es als Lektion. Es gibt Prolos, die sind keinen Krümel Aufmerksamkeit wert.
Ich weiß, „Prolo“ sagt man eigentlich nicht, denn es ist ein Schimpfwort für Menschen aus dem „bildungungsfernen Niveau“, deren Lebenstil und Umgangsformen als nicht besonders kultiviert rüberkommen.

Die Prolos aus den 1990er-Jahren, die für Opel Manta- und GTI-Witze herhielten, weil sie auf ihre aufgemotzten, fahrenden Discos fixiert waren, Goldkettchen und „VO-KU-HI-LA“ trugen, gibt es heute in dem Sinne nicht mehr. Und wenn, dann wären sie sowas von Kult.
Mit dem folgenden Song erzähle ich die einseitige Liebesgeschichte zwischen einem lyrischen Ich und dem schönsten Prolo der Welt:
Prolo – der Song
Es gibt Phasen im Lebenslauf,
da bin ich auf Hormonen drauf.
Wie ein Fieberschub kommt es daher:
Plötzlich gefällt mir einer viel zu sehr.
Amors Flammenpfeil ist das einmal gelungen
und ich hab Tag und Nacht gesungen:
Er ist ein Prolo! Ein Prolo im klassischen Sinn,
in den ich voll verschossen bin.
Er ist ein Prolo! Der schönste Prolo der Welt,
der mir, irrationaler Weise, viel zu gut gefällt.

Zwar fand ich seinen Slang tief,
doch er war nunmal recht attraktiv.
Wenn ein schönes G'sicht mich mal betört,
wird ein blöder Spruch gern überhört.
Wahrscheinlich hab ich nicht recht viel versäumt,
aber eine zeitlang hab ich doch von ihm geträumt.
Das lyrische Ich war von diesem schönen Gesicht so betört, …


… darum hat es so manche – als unkultiviert geltende – Äußerung geflissentlich überhört. Aber es gestand sich durchaus ein:
Er ist ein Prolo! Ein Prolo im klassischen Sinn,
in den ich voll verschossen bin.
Er ist ein Prolo! Der schönste Prolo der Welt,
der mir, irrationaler Weise, viel zu gut gefällt.
Wahrscheinlich hab ich mir recht viel erspart!
Er hat sich mit vielen – aber nie mit mir – gepaart.
Das sollte nicht an meinem Selbstwert nagen.
Vielleicht kann ich heut dafür "danke" sagen.
Jetzt will ich ihn schon lang nicht mehr,
aber damals hat er Eindruck gemacht, der schöne Herr.

Er ist ein Prolo! Ein Prolo im klassischen Sinn,
in den ich nicht mehr verschossen bin.
Er ist ein Prolo! Der schönste Prolo der Welt,
der mir vernünftiger Weise jetzt nicht mehr gefällt.

Nun ja, diese Erkenntnis tut weh: Das Fortbewegungsmittel war gar kein Einhorn, sondern ein aufgetakelter GTI, das Goldkettchen aus dem Drogeriemarkt und der Prinz ein dauergeiler Tinder-Wischer.
Und die Rosen?
Die roten Rosen ließ er tatsächlich regnen. Aber nicht etwa, weil er in einem Anflug von Romantik vor Verehrung glühte, sondern weil er im Garten seiner Mutter Unkraut jäten sollte und mit dem „unnötigen, roten Klumpert“ anfing.

Ja, es gibt sie doch noch: die Prolos, die heute vielleicht keinen VO-KU-HI-LA mehr tragen, aber wie die Axt im Walde alle Regeln des guten Benehmens untergraben.
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