Ich habe einen Papagei
zu Haus auf der Veranda.
Er bewegt sich völlig frei,
bringt alles durcheinander.
Such ich mal mein Portemonnaie
unter all den Sachen,
dann klag' ich häufig "Ach" und "Weh"
und hör den Vogel lachen.
Es unterhält den Vogel gut,
wenn ich mein Klumpert suchen muss.
Und schnaub ich eh schon voller Wut,
versteckt im Schuh er eine Nuss.
Schlüpf ich hinein, dann jaul ich laut
und hör, wie er sich voll abhaut.
Ich habe einen Papagei
zu Haus in meinem Zimmer.
Sein Lieblingstext ist "eins, zwei, drei"
und er wird immer schlimmer.

Er sitzt am Kasten und zählt los,
stürzt sich auf meine Föhnfrisur.
Dann hockt er sich auf meinen Schoß
und stänkert über meine Figur.
Ich habe einen Papagei,
der tut mir alles z'Fleiß.
Er sagt mir, dass ich selbst schuld sei,
weil ich was Wichtiges nicht weiß.

Er wirft mir vor, ich quälte ihn,
denn er sei meist allein.
Und Einsamkeit macht keinen Sinn,
drum muss ich halt sein Opfer sein.
Ich kaufe einen Papagei,
denn meiner ist allein.
Besser noch, ich nehme drei,
denn einsam sollte keiner sein.
Nun wohne ich im Vogelhaus,
bin in der Minderheit.
Komm ich aus meinem Zimmer raus,
krächzen's – aber g'scheit.
Nun flattern vier um mich herum
und feiern Party Tag und Nacht.
Mein erster kommt mir nicht mehr dumm,
ich werd auch immer ausgelacht.
Ich habe einen Papagei,
der lebt fortan zu viert.
Er nennt die neuen "Eins", "Zwei", "Drei"
und jeder einzelne pariert.
Ich habe einen Papagei,
der ist recht dominant.
Die Gefährten Eins, Zwei, Drei
haben schnell erkannt,
wer im Haus den Ton angibt.

Sie erzähl'n mir – was mich freut,
dass er mich trotz allem liebt
und seine Sekkantur bereut.
Ich habe einen Papagei,
der wurde nicht getauft.
Ich hab die Vögel Eins, Zwei Drei
einst für ihn gekauft.
Bevor die Vögel Eins, Zwei, Drei
in unser Häuschen kamen,
nannte ich ihn "Papagei"
und gab ihm keinen Namen.
"Papageien sind wir alle vier",
beginnt er zu erklären,
"also gib jetzt einen Namen mir,
sonst muss ich mich beschweren!"
Drei Tage schrieb ich Zettel voll
mit "Hansi, Fipsi, Benjamin" –
ob ich "Vier" ihn nennen soll?
Nein, das macht keinen Sinn.
Die Neuen nennt er "Eins", "Zwei", "Drei"
und ich soll "Vier" ihn nennen?
Er war mein erster Papagei,
doch "Eins" ist aus dem Rennen.
Als der vierte Morgen graut,
fällt mir der Name plötzlich ein.
Ich schreie den vier Vögeln laut:
"Findet euch zur Verkündung ein!"
Sie flattern flott zu mir heran,
ich nehme Platz auf einem Stuhl
und kündige meinem Ersten an:
"Du heißt ab heute "Null"!"

Das war die Geschichte vom schlimmen Papageitschi.

Schön, dass du bis hierher gelesen hast. Jeden SiMOuNTAG erscheint ein neuer Beitrag. Zum Beispiel diese:

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