Das Verliebtsein kann sich schon gut anfühlen – für jene, die sich finden. Aber es gibt einen bitteren Side-Effekt, für jene Wegbegleiter*innen, die links liegen gelassen werden, weil sie für die romantische Zweisamkeit so überflüssig sind wie ein drittes Rad am einspurigen Motorrad.
Vielleicht hast du dich auch schon das eine oder andere Mal alleine zurückgelassen gefühlt. Ich kenne dieses bittere Gefühl, wenn eine Bezugsperson plötzlich wie von Erdboden verschluckt ist, und verarbeite es in diesem Song, der schon 2017 entstanden ist:
Song: Wie vom Erdboden verschluckt
Viermal die Woche auf ein Bier,
All deine Sorgen erzählst du mir.
Brauchst mich zum Quatschen, zum Abhängen,
Erzählst von deinen starken Drängen.
Fühlst dich als freies Radikal
Und jetzt triffst du deine Wahl.

Hat sich der Erdboden aufgetan und dich verschluckt?
Wie vom Erdboden verschluckt!
Ach nein, du hast dich nur verguckt (verguckt, verguckt)!
Ach nein, du hast dich nur verguckt!
Ruf ich dich an, heißt’s: „Keine Zeit.“
Du lebst fortan nämlich zu zweit.
Oh ja, ich gönne dir dein Glück,
Doch gibt’s von deiner Zeit kein kleines Stück
Für mich – wenn du auf Wolken schwebst
Und nur an Lovers Seite klebst?

Hat sich der Erdboden aufgetan und dich verschluckt?
Wie vom Erdboden verschluckt!
Ach nein, du hast dich nur verguckt (verguckt, verguckt)!
Ach nein, du hast dich nur verguckt!
Deine Liebe ist noch frisch,
Drum sitz ich allein am Vierertisch
In unserm Café, ich fühl’ mich arm,
Du liegst daheim, dein Bett ist warm.
Vielleicht erinnerst du dich – mal schau’n,
Bald wieder an deinen Pausenclown.

Hat sich der Erdboden aufgetan und dich verschluckt?
Wie vom Erdboden verschluckt!
Ach nein, du hast dich nur verguckt (verguckt, verguckt)!
Ach nein, du hast dich nur verguckt!
Ein altes Phänomen
Die Redensart „Wie vom Erdboden verschluckt“ hat sich seit der Antike bis in die heutige Zeit gerettet und beschreibt ein unerklärliches, spurloses Verschwinden eines oder mehrerer Menschen, Tiere oder Dinge. Im Alten Testament (Buch Numeri, Kapitel 16) war es gleich eine ganze Gruppe, die unwiderruflich im Erdboden versank.
Dieses Phänomen scheint mir das Gegenteil zur ebenfalls biblischen Himmelfahrt zu sein, wobei jene, die in den Himmel aufgefahren sind, physisch ebenfalls weg sind – aber immerhin durch Abwesenheit glänzen. Die alttestamentliche Erdbodenverschluckung war da schon weniger glorreich, nicht zuletzt weil sich der Erdboden auftat, um diese Menschengruppe als Strafe für ihre Rebellion gegen Moses zu verschlucken.

Vielleicht hat sich diese Redensart aus der altorientalischen Geschichte von Korach, Datan und Abiram gehalten, weil ähnliche Phänomene immer wieder – bis in die jüngste Gegenwart – zu beobachten sind. Erst vor einigen Monaten las ich in einer Zeitung, auf einem Acker habe sich plötzlich eine Erdspalte aufgetan. Der Landwirt konnte sich retten, musste aber hilflos zusehen, wie sein Traktor vom Erdboden verschluckt wurde.
Manchmal sorgt der zivilisierte Mensch proaktiv dafür, dass sich der Erdboden auftut: zu beobachten an jeder Straßenbaustelle, die eine Künette aufweist. Schließlich ist es gewünscht, dass der Erdboden Leitungen, Rohre und Kabel verschluckt.

Aber ich wollte natürlich nicht, dass meine Bezugsperson wie vom Erdboden verschluckt ist, sonst würde ich mich ja nicht bedauern, alleine am Vierertisch sitzen zu müssen.
Welches Resümee kann ich also aus dem Song „Wie vom Erdboden verschluckt“ ziehen?
Ich kann mich mit mehreren Bezugspersonen anfreunden, Freude am Alleinsein erlangen oder mich selbst vom Erdboden verschlucken lassen.
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