Wunschlos unzufrieden

Wunschlos unzufrieden

Was würdest du wollen, wenn du alles haben oder tun könntest? Ich meine jetzt nicht Wünsche, die die ganze Welt betreffen, sondern nur dich und dein Leben. Fällt dir etwas ein? Gut! Denn es soll Leute geben, die keine Wünsche haben, aber trotzdem dauernd nach Perspektiven suchen.

Wäre mir zu Silvester eine gute Fee erschienen, um mir drei Wünsche für 2026 zu erfüllen, dann hätte ich dumm aus der Wäsche geschaut. Äh, Frau Fee … warten Sie … was will ich denn eigentlich?

„Hallo! Ich bin die gute Fee und du hast jetzt drei Wünsche frei!“

„Hä?“

Nun ja, Frau Fee, da müsste ich jetzt scharf nachdenken. Das atemlose Hecheln nach Perspektive hat meine Wünsche nämlich in Nebel gehüllt:

Ein Visionboard muss her! Das ist jetzt modern. Das erklärt mir eine Freundin. Dafür schneidet man sich das, was man sich wünscht, aus Zeitschriften aus, pickt es dekorativ zu einer Collage zusammen und hängt das Ganze über den Schreibtisch.

„Ach was, ich schnipsle nicht, ich zeichne viel lieber“, entgegne ich und denke darüber nach, was sich Leute im Allgemeinen so wünschen. Davon kann ich ja nicht so weit entfernt sein.

Und ich male mit meinen Faserstiften etwas, von dem ich denke, man müsse es sich wünschen: ein super Auto. Aber das brauch ich nicht, dafür verschwende ich doch keinen Wunsch.

Einen super Urlaub, für den man lange fliegen muss, vielleicht? Aber nein, der geht so schnell vorüber und dann ist wieder alles beim Alten. Das ist kein würdiger Wunsch.

Ein Traumhaus mit Pool vielleicht? Das wäre doch etwas Beständiges und schafft Lebensqualität, oder? Ja, aber die Erhaltungskosten! Die würden mir schlaflose Nächte bereiten. Und wer soll es putzen?

Na gut, dann vielleicht ein luxuriöser Lebensstil mit irrational teuren Restaurants (flambierte Blumznradln an Walnuss-Granatapfel-Mousse) oder sich ab und zu in einer Therme schrumpelig baden? Aber nein, das gibt mir nichts.

Dann vielleicht ein paar Schönheitsoperationen, Extensions, Maniküre und teure Taschen? Geh bitte, diese Donald Duck-Gesichter finde ich nur lächerlich.

Tja, scheinbar fallen mir nur Wünsche, die „man halt so hat“ ein, aber keine, die ich habe. „Aber nein, heute zeichnet oder schnipselt man doch nicht mehr händisch“, belehrt mich eine andere Freundin, „melde dich auf Pinterest an und such dir Bilder zusammen.“

Das tu ich:

Nun gut, auf der Suche nach Visionen durchstöbere ich Pinterest und zupfe Fotos herunter, auf denen ich gerne wäre. Bilder die zeigen, wie ich mir ein gutes Leben vorstelle.
Songs schreiben, Musik machen, Blog schreiben, zeichnen, schwimmen, wandern, ein bisschen feiern, einen Uni-Abschluss machen, auf einer Picknick-Decke sitzen – das alles gefällt mir viel besser als Fernreisen, teure Lokale, schnelle Autos oder ein klimatisierter Hightech-Bunker.

Tja, was muss ich mit Erstaunen erkennen?

Da ist nichts dabei, worauf ich noch lange hinarbeiten müsste. Mehr noch: Mein Visionboard zeigt nur Dinge, die ich schon längst mache, habe oder an denen ich bereits dran bin.

Die Ziele, die „man so haben sollte“, gelten für mich nicht:

Na gut, ich bin ja auch in einem Alter, in dem „man die meisten Visionen schon verwirklicht haben sollte“. Luft nach oben ist trotzdem immer noch.

Die Erkenntnis

Jetzt weiß ich auch, warum ich der guten Fee, die mir zu Silvester erscheinen hätte können, nicht so spontan drei Wünsche nennen hätte können. Ich Glückliche.

Aber eines fehlt: Die Leichtigkeit, diese schönen Dinge auch genießen zu können. Somit ist er mir erschienen – der gute Vorsatz für 2026: mehr Leichtigkeit.

Schön, dass du auch 2026 auf meinem Blog vorbeischaust. Wie du merkst, gehen mir schön langsam die Songs aus und so schreibe ich eben frei von der Leber weg über dieses und jenes.

Wenn du Zeit und Lust hast, mach dir doch auch ein, zwei Visionboards. Aber schau auf jeden Fall nächsten Simountag wieder hier vorbei!

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