Loslassen

Loslassen


Wie oft haben wir Wünsche, Begierden, Anregungen, Beschwerden, die einfach zu nichts führen, weil wir damit auf Granit beißen? Oft genug! Dann ist es wichtig, loszulassen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Vielleicht hilft es, oftmals zu affirmieren: „Ich lass los“.


„Ich lass los, lass alles los“ – das sagt oder singt sich so einfach. Aber wie funktioniert es denn wirklich, blöde Gewohnheiten loszulassen?

Denn das ist es ja, worum es wirklich geht, wenn man andauernd so schlecht mit sich selbst umgeht, dass einem die Gliedmaßen steif werden wie dieses rostige, zugewachsene, unbeweglich-steife Gartentürl, das 30 Jahre lang schon niemandem mehr aufgefallen ist.

Wie hält man sich denn geschmeidig, positiv und frei von Störstoffen?

Fangen wir mal mit etwas weniger Abstrakten an – mit etwas, das vermutlich jede(r) kennt, wie zum Beispiel eine verkorkste Romanze, die eigentlich nichts weiter ist, als ein unerfüllter Wunsch.

Das mache ich mit dem Song „Loslassen“. Es ist ganz gleichgültig, um welches Anliegen es geht, mit diesem Song puste ich weg, was gerade losgelassen gehört. Hör selbst:

Loslassen – der Song

Jeden Morgen nach der Nacht
Bemerke ich frisch erwacht:
Schon wieder war ich in meinem Traum
Mit dir in einem Raum,
Ab und zu sogar in einem Bett!
Wie gern ich das in Echtzeit hätt.
Das lyrische Ich ist frisch erwacht aus einem Traum, in dem es dem lyrischen Du wieder einmal ganz nah war. Doch das lyrische Ich weiß, der Traum führt zu nichts als Enttäuschung, also entscheidet es sich:
Doch ich lass los – lass alles los –
Den Wunsch, nach deiner Hand zu greifen,
Mit dir durch die Stadt zu streifen –
Lass ich los.
Lass alles los!
Spät nachts die Stufen rauf in meinem Haus
Und dann die Hoffnung auf rein und raus – rein – raus – rein –raus …
Und ich lass los! Lass alles los!

Also schnappt sich das lyrische Ich eine große Stecknadel und sticht in die Wunsch-Seifenblase, um sie zerplatzen zu lassen. Ist wohl besser so.

Doch es schwärmt weiter:

Jedes Mal, wenn ich dich erblicke
Mitten in der Clique,
Bin ich voll entzückt,
Aber auch bedrückt.
So schön strahlend und doch so fern,
Ich hätt so vieles gern!
Erblickt das lyrische Ich das lyrische Du in der Clique, dann ist es zwar entzückt, aber auch ein bisschen deprimiert, denn etwas Anderes als Friendzone wird es wohl nie spielen. Darum der Entschluss:
Doch ich lass los! Lass alles los!
Den Wunsch, mich mit dir zu paaren,
dir durchs gegelte Haar zu fahren,
Lass ich los. Lass alles los!
Den Wunsch, mit dir über feuchte Wiesen zu rennen,
Mir den Mund an deinem Hals zu verbrennen –
Lass ich los. Lass alles los!
Gemeinsam über feuchte Wiesen zu rennen? Nette Vorstellung, aber es bleibt wohl beim Traum. Darum der vernünftige Entschluss:
Lass ich los, lass ich los
Lass ich los, lass ich los
Lass ich los, lass ich los …

Als die dunklen Wolken der Realität aufziehen, lässt das lyrische Ich nicht nur die Hand des lyrischen Du los, sondern auch den Wunsch, jemals wieder danach zu greifen.

Warum eigentlich?

Und zwar den alltäglichen Ärger über ganz normale Blödheiten. Mir zeigte mal eine Halbfremde im Straßenverkehr zornig den Finger, weil meine damals 12-jährige Beifahrerin die Autotür gefährlich weit aufgerissen hatte. Tagelang ärgerte ich mich über die Geste so sehr, dass ich dieses Bild zeichnete.

Kommt so ein unnötiger Ärger auf, gehört er eigentlich umgehend losgelassen und entsorgt, wie der Müll im gelben Sack, den ich ja auch nicht länger als notwendig mit mir herumschleppe. Aber die blöde Wut über obszöne Gesten, dumme Sprüche, absichtliche Kränkungen sollen das Recht haben, einen auf Schritt und Tritt zu begleiten?

Sicher wäre es besser, sich erst gar nicht zu ärgern, aber wenn man diesen Müll schon an sich ranlässt, dann gehört er gleich wieder losgelassen. Vielleicht sollt ich mir ein symbolisches Müllsackerl einstecken.

Hier mache ich meinem Ärger Luft:

Vorerst stecke ich meine Emotionen in diesen Blog, auf dem jeden Montag ein neuer Beitrag erscheint:

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    Am Samstag geht es in Feuersbrunn feurig zu, denn wir haben wieder eine Menge Lebensweisheiten und Gschichtln in unseren Gitarrensäcken. Hier gibt es sie alle zum Vor-oder Nachlesen. Denn – wie Ihr wisst – gibt es bei uns keinen Song ohne Anekdoten und fast kein Erlebnis, das nicht einen ordentlichen Song verdient hat.
  • Meine Sicht auf das Prinzip der Vergebung
    Der Vergebung wird eine große heilende Kraft nachgesagt. Ich halte diesen Terminus nicht in allen Fällen für angebracht. Meiner Erfahrung nach kann das Wort “Vergebung” wie eine Einladung klingen. Weil ich mich selbst ohne fatalistischen Masochismus von Groll befreien will, halte ich den Ausdruck „In-die-Irrelevanz-entlassen“ für gesünder.
  • Ist das Gras anderswo wirklich grüner oder ist es g’hupft wie g’hatscht, wo man ist?
    Bitte schau mal über dieses attraktive Gartentürl: Sind Gras und Blätter da drinnen nicht um einiges grüner als bei dir zuhause? Nein? Tja, was bedeutet denn dann das sogenannte Grass-is-greener-Syndrom? Kennst du… Read more: Ist das Gras anderswo wirklich grüner oder ist es g’hupft wie g’hatscht, wo man ist?
  • Noch nicht reif
    Da ist eine Sache schon viele Jahre her und trotzdem wurmt sie einen noch. Das ist doch nicht normal! Vielleicht liegt es daran, dass wir jetzt immer noch über unsere Fehler sprechen, als wären sie heute noch relevant. Und Schuld ist wieder einmal die Grammatik.
  • Abschied von Papa
    Dieser Simountag steht im Zeichen der Trauer. Trauer ist für mich nichts, wovon man sich ablenken sollte, um auf andere Gedanken zu kommen. Schon gar nicht will ich sie möglichst flott verdrängen,… Read more: Abschied von Papa

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