Manchmal

Manchmal

Manchmal kommt statt Ebbe die Flut und manchmal ist die Straße nicht mehr zu finden. Mein Bandkollege Reini hat mit „Manchmal“ einen Song geschaffen, der Mut macht und zeigt, worauf es in Lebenskrisen ankommt. Darum kommt heute er zu Wort.

Reinhard Spiegl spielt den E-Bass und ist durch seine beständige Art der schokante Fels in der Brandung. Seine Songs haben Tiefgang und viel Gefühl. „Manchmal“ stammt aus seiner Feder. Darum erzählt er heute im Interview, auf welche heilenden Kräfte er setzt.

Simoun: Mit „Manchmal“ hast du einen Song geschaffen, den wir nicht nur sehr gerne spielen, sondern der auch viele unserer Zuhörer*innen tief berührt. Worum geht’s in dem Song?


Reini: “Der Songtext behandelt auf eindringliche Weise die emotionale Zerrissenheit und Unsicherheit, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Alle Strophen beginnen mit dem Wort „Manchmal“ und schildern verschiedene Formen innerer Krisen: Zweifel, Angst, Einsamkeit, Überforderung und das Gefühl, keinen klaren Weg vor sich zu sehen. Es unterstreicht nicht nur die Häufigkeit dieser Erfahrungen, sondern auch ihre Unvorhersehbarkeit – sie kommen und gehen, wie Wellen.”


Simoun: Wie hast du es geschafft, innere Krisen auf so ästhetische Weise auszudrücken?

Reini: “Mein Anliegen war es, diese Emotionen in Bildsprache auszudrücken. Metaphern wie „kommt statt Ebbe die Flut“ oder „geht mir die Straße aus“ verdeutlichen, wie überwältigend und richtungslos sich das Leben in manchen Momenten anfühlt. Auch das Bild des „Vogel Strauß“ steht symbolisch für den Wunsch, sich vor Problemen zu verstecken oder der Realität zu entfliehen. Der Song sollte ohne Übertreibungen auskommen – die Gefühle sollten ruhig und nüchtern dargestellt werden, mit dem Ziel, sie umso greifbarer und glaubwürdiger zu machen.”

Simoun: Dennoch ist „Manchmal“ ein positiver Song geworden. Wie hast du die Zuversicht hineingepackt?

Reini: “Trotz der Schwere in den Strophen soll der Refrain eine hoffnungsvolle Wende mit sich bringen: Liebe, Hoffnung und Glaube werden als Gegengewichte zu den dunklen Momenten des Lebens präsentiert.

Die Liebe wird zur heilenden Kraft, die Hoffnung bringt Licht in die Dunkelheit, und der Glaube gibt die Stärke, selbst große Hindernisse zu überwinden.

„Mein Glaube versetzt die Berge“ – diese Aussage erinnert an spirituelle oder religiöse Motive. Sie ist Ausdruck einer inneren, persönlichen Überzeugung, dass es auch in schwierigen Zeiten Halt und Kraftquellen gibt – in welcher Form auch immer.”

“Der Song soll Mut machen, auf die heilende Kraft von Liebe, Hoffnung und auch Glauben zu vertrauen – gerade dann, wenn man sie am meisten braucht.”

Reinhard Spiegl, Bassist, Songwriter und Techniker


Simoun: Das sind sehr komplexe Themen. Wie würdest du also die Grundaussage von „Manchmal“ beschreiben?

Reini: “Insgesamt ist der Song eine Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen des Lebens. Er spricht offen über Schwäche und Schmerz, ohne dabei in Hoffnungslosigkeit zu verfallen.

Im Gegenteil: Er soll Mut machen, auf die heilende Kraft von Liebe, Hoffnung und auch Glauben zu vertrauen – gerade dann, wenn man sie am meisten braucht.”

Simoun: Danke für das Gespräch. Nun stellen wir aber den Song vor:

Manchmal – der Song

Manchmal – träum ich vor mir her
Manchmal – fällt das Leben schwer
Manchmal – fehlt mir der Mut
Manchmal – kommt statt Ebbe die Flut
Manchmal – ist der Himmel grau
Manchmal – macht kein Mensch mich schlau
Manchmal – besteht das Leben aus Fragen
Manchmal – möchte ich Entscheidungen vertagen
Doch – so grau kann der Himmel gar nicht sein, dass nicht irgendwann wieder die Sonne durchkommt, wie im Refrain deutlich wird:
Die Liebe sie lindert meine Qualen
Und Hoffnung treibt in die Augen strahlen
Mein Glaube versetzt die Berge die im Weg stehen – mich hindern zu streben!
Manchmal – muss ich einfach weg
Manchmal – bin ich (das) Mittel zum Zweck
Manchmal – fühl ich mich winzig klein
Manchmal – sperr mich weg weine geheim
Manchmal muss Reini einfach weg – zum Beispiel auf die Berge, die er nicht nur mit dem Rad bezwingen, sondern manchmal auch versetzen kann.
Die Liebe sie lindert meine Qualen
Und Hoffnung treibt in die Augen strahlen
Mein Glaube versetzt die Berge die im Weg stehen – mich hindern zu streben!
Manchmal – geht mir die Straße aus
Manchmal – bin ich der Vogel Strauß
Manchmal – möchte ich einfach schreien
Manchmal – mich vom Leben kasteien
Es macht nichts, wenn Reini die Straße ausgeht, manchmal schafft er es auch, querfeldein zu fahren.
Die Liebe – sie lindert meine Qualen
Und Hoffnung treibt in die Augen strahlen
Mein Glaube versetzt die Berge die im Weg stehen – mich hindern zu streben!

Manchmal erscheint an dieser Stelle eine neue Song-Geschichte, aber in diesem Fall zu vorhersehbaren Terminen, nämlich jeden Montag um 7 Uhr. Ich freue mich, wenn du wieder reinschaust:

  • Die gute und die schlechte Abhängigkeit
    Der Kapitalismus steht über allem, auch über dem Patriarchat. Oder warum sonst haben Chefs eigentlich noch Besitzansprüche, die Ehemännern von Rechts wegen längst entzogen wurden, weil sie unmoralisch sind? Warum ist es legitim, sich von Unternehmen in einer Art ausnutzen zu lassen, die man in einer Beziehung nicht mehr dulden würde?
  • Positives Festkleben
    Die Lehre von der Macht des positiven Denkens ist schon ein gutes Geschäft. Wer seinem Mindset die alleinige Schuld an allen äußeren Umständen zuschreibt, bleibt vielleicht zu lange in einer toxischen Situation kleben und holt sich eben Hilfe bei Gurus, um sie zu ertragen. Dabei kommt nicht alles Gute oder Schlechte nur von innen.
  • Voll gefoggt
    Was haben manche Gespräche und Verhandlungen mit Zauberkunst zu tun? Sie entwickeln sich durch Ablenkung ganz anders als erwartet. Wenn der rote Faden im Nebel verschwindet, dann steht ein Gesprächspartner auf und geht, denn er hat erfolgreich „Fogging“ betrieben und somit gewonnen.
  • ‘Sie ist ja selber schuld’
    Das Special zum Valentinstag kann eigentlich gleich nahtlos ins Weltfrauentag-Special übergehen, denn es hängt ja eh alles zusammen. So wie manche Menschen den Valentinstag als unnötig betrachten, weil er ja ohnehin nur ein Turbo für den Blumenhandel sei, so halten einige den Internationalen Frauentag für überholt. Der Mann sei ja ohnehin nur Spiegel des Selbstwertes der Frau.
  • “Ich war zu wählerisch”
    Manchen geht der Plan eines gutbürgerlichen Ehelebens nie auf, obwohl sie die besten Voraussetzungen hätten. Warum das so ist, versuche ich am Beispiel von Ferdinand herauszufinden. Offenbar hat er sich die Hörner jetzt abgestoßen, denn im Interview erzählt er von zu hohen Ansprüchen, Neurosen und Selbsterkenntnis.

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