Eine harmlose Fliege tarnt sich als Wespe, um nicht vom Vogel gefressen zu werden. Eine Blume stinkt wie Aas, um von Insekten bestäubt zu werden. Mimikry ist ein Täuschungsmanöver, das einigen Tierchen oder Pflanzen zum Vorteil gereicht. Weil auch der Mensch Mimikry für sich entdeckt hat, ist Enttäuschung mitunter vorprogrammiert.

Viele Enttäuschungen durchleiden wir nur deshalb, weil wir grundsätzlich erwarten, dass Menschen zu uns ehrlich sind und sie das, was sie sagen auch tatsächlich so meinen. Natürlich wäre es auch nicht gesund, hinter jedem Satz in unsere Richtung Falschheit zu suchen, dennoch ist es klug, Verhalten und Worte über längere Zeit genau zu beobachten.

“Mimikry” ist ein Phänomen in der Natur, in dem Lebewesen Aussehen, Geruch, Geräusche oder Verhalten anderer Kreaturen imitieren, um Beute anzulocken, sich zu schützen oder befruchtet zu werden.

Auch der Mensch hat mimikry längst für sich entdeckt.

Wenn auch in der Natur – unter weit weniger intellektuell begabten Wesen – evolutionäre Täuschung weit verbreitet ist, wie sollen wir davon ausgehen, dass ein Mensch sich uns völlig wahrhaftig präsentiert?

7 mögliche Arten menschlicher Mimikry

  1. Beziehungs-Mimikry: Wenn jemand mit Worten wie “du bist mir unglaublich wichtig” oder Zukunftsplänen Verbindlichkeit vorspielt, obwohl er /sie keine ernsthaften Absichten hat. (Z.B. Schleimschwinger)
  2. Opfer-Mimikry: Leute stellen sich hilfloser und verletzlicher dar, als sie sind, um Schonung, Unterstützung oder Mitleid zu ergattern. Botschaft: “Ich bin das eigentliche Opfer.”
  3. Gruppen-Mimikry: Wenn sich jemand in Sachen Sprache (Dialekt), Kleidungsstil oder Meinungen an eine Gruppe anpasst, um dazuzugehören. (Oft keine Manipulation, sondern Anpassung und Mitläufertum.)
  4. Moral-Mimikry: Wenn jemand tugendhafter wirken will, als er /sie tatsächlich handelt: demonstrative Wohltätigkeit (“Schaut her! Ich spende!”), öffentliches Engagement (nur solange Journalist*innen da sind) oder demonstrierte Gleichberechtigung (Gender-Polzei spielen aber in Wirklichkeit Macho sein).
  5. Status-Mimikry: Gebildeter, reicher oder erfolgreicher tun, als man ist, indem man mit geliehenem Luxus-Zeug angibt, akademische Bücher wie zufällig platziert und so weiter.
  6. Lock-Mimikry: Wenn jemand dem anderen suggeriert “Bei mir bekommst du genau das, wonach du suchst” und somit Eigenschaften vortäuscht, die andere anzieht. Z.B. Komplimente, gespieltes Interesse an denselben Hobbys, künstliche Empathie und Hilfsbereitschaft, … Der Empfänger oder die Empfängerin fühlt sich gesehen, verehrt, schön, weil er/sie viel Lob hört, soll aber nur warmgehalten werden, um benutzbar zu sein, falls Schleimschwinger mal das Bedürfnis nach Nähe oder sonstigen Leistungen verspüren sollte. Schleimschwinger bedienen sich ganz eindeutig der Lock-Mimikry.
  7. Schutz-Mimikry: Versucht ein Mensch gefährlich auszusehen, indem er sich mit Nieten und Stacheln armiert, obwohl er eigentlich nicht recht selbstbewusst ist, könnte man auch von Schutz-Mimikry sprechen. Aber auch halbstarke Sprüche und leere Drohungen wie „mir braucht kann deppat kumma, dann betonier i eam” kommen dieser Mimikry gleich.

Helden der Mimikry

Das Dreieck der Mimikry besteht aus Vorbild, Nachahmer und Signal-Empfängern.

Diese Tiere und Pflanzen nutzen Lock-Mimikry, um eine Beute oder eine Dienstleistung (wie Bestäubung) anzuziehen:

Zum Beispiel die völlig ungiftige Schwebfliege sieht mit gelb-schwarzen Streifen aus wie eine Wespe, um Vögeln den Appetit zu verderben. Vorbild = Wespe; Nachahmer = Schwebfliege; Empfänger = Vogel

Wenn die Orchidee namens Fliegen-Ragwurz aussieht und riecht wie ein weibliches Insekt, dann möchte sie Insekten-Männchen zur Bestäubung anlocken.

Die Geierschildkröte braucht nur mit offenem Mund dazuliegen, denn ein Wurmfortsatz am gierigen Maul lockt Fische an – so braucht das Tier nur noch zuzuschnappen.

Betrachtet man diese Phänomene in der Natur, ist es kaum verwunderlich, dass auch Menschen sich der Mimikry bedienen. Während bei Tieren Mimikry in der Regel angeboren ist, wird sie vom Menschen meistens bewusst gestaltet.

Der Blender /die Blenderin ahmt das Vorbild eines tollen, intelligenten, liebevollen, charmanten Menschen nach, um den Empfänger*innen zu täuschen. Das Ziel ist Verlockung.

Mimikry in der digitalen Welt

Auch im Internet lauern Täuschungen, die Mimikry gleichzusetzen sind. Über Willhaben haben Betrüger einen Interessenten nachgehamt und mich nach meiner Telefonnummer gefragt, um vor Abholung eines Regals anrufen zu können. Eine Woche später nutzten die Betrüger meine Handynummer und schickten mit via SMS eine vorgetäuschte Pay-Livery-Anfrage.

Ein Link führte mich zu einer täuschend echt aussehenden Pay-Livery-Website, die aber Fake war (Nachahmer). Da hätte ich meine Telebanking-Daten preisgeben sollen. Sie hätten sich also an meinem Konto bedienen wollen.

Du siehst also: Mimikry ist sogar in der Welt der Cyberkriminalität angekommen und somit eine Gefahr in unserem Alltag, die wir berücksichtigen müssen. Zumindest erinnert uns die Mimikry aus Flora & Fauna daran, dass auch beim Menschen nicht jede Selbstdarstellung mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Vertrauen ist gut, aber wichtig ist auch die Bereitschaft, Verhalten und Worte über längere Zeit genau zu beobachten.

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