Nachts stundenlang wach zu liegen, ist grauenhaft. Vor allem, wenn die Störstoffe sich aufblähen und großes Kino veranstalten. Gute Unterhaltung sieht anders aus. Bei all der Tragik der Schlaflosigkeit ist „Nachtwacht“ ein Song geworden, bei dem wir immer in einen meditativen Flow kommen, den wir gerne in die Länge ziehen.
Zum ersten Mal seit ich diesen Blog füttere, sitze ich auf der Terrasse und bin ratlos, was ich erzählen soll, denn der Song „Nachtwacht“ handelt von Schlaflosigkeit.
Das Gedankenkarussell in durchwachten Nächten ist nicht so erbaulich, dass ich mich hier mehr als nötig darüber auslassen möchte.

Denn wer im Bett liegt und verzweifelt versucht, endlich in den erholsamen Schlaf zu sinken, ist mitunter völlig gestresst und all die Störstoffe, die sich im Gehirn festgesetzt haben, blähen sich zu riesigen Trugbildern auf.
Darum sollte auch eigentlich der Refrain von „Gruselkabinett“ zwischen die Strophen von „Nachtwacht“. Aber weil wir im Proberaum während der Strophen anfangs immer in so einen meditativen Flow gerieten, kam uns der Refrain vor, wie die Faust aufs Auge.
Also machten wir aus diesem Refrain einen anderen Song und „Nachtwacht“ blieb ohne Refrain, dafür dehnten wir die Zwischenspiele derart aus, dass dieser Song zehn Minuten dauern kann, wenn wir wollen.


Zehn Minuten sind für einen Song ganz schön lang, aber gemessen an einer schlaflosen Nacht sind sie wie ein Wimpernschlag.
Nachtwacht – der Song
Die Nacht ist zu jung, um das Tagwerk zu beginnen.
Drei Uhr elf und es rattert in mir drinnen
Wie das Radwerk einer Zahnradbahn,
Die sich mühsam quält bergan
Mit einer Ladung Touris in den Wägen,
Auf Wagons trommelt der Regen.
Wie das Radwerk einer Zahnradbahn rattert, so rattert es auch in mir drinnen. Aber im Gegensatz zur Zahnradbahn komme ich kein Stück weiter.

Vier Uhr vierzig – noch immer wach.
Nun knarrt’s im Kopf, wie unter’m Dach
Einer Villa mit morschem Gebälk,
Selbst der Efeu an der Fassad’ ist welk.
Im Parterre tummeln sich die Asseln,
Hör den Regen an die Fenster prasseln.

So eine baufällige Villa hat schon was Gruseliges. Der Wind schlägt die losen Fensterläden auf und zu, dass es nur so quietscht und klescht. die Ratten haben die Ruine in Beschlag genommen und durch die kaputten Fenster pfeift der Sturm.
Fünf Uhr fünfzig zeigt jetzt die Uhr.
Die Sonne kehrt recht bald retour,
Doch es dreht sich noch – das Karussell.
Weit im Osten wird es hell.
Der Zug tuckert in die Pyjama-Tasche,
Die alte Villa liegt in Schutt und Asche.
Nie bewegen sich die Uhrzeiger so langsam vorwärts, wie während einer unfreiwillig durchwachten Nacht.


Jetzt, da ich mit meinen Ausführungen über unsere musikalischen „Nachtwacht“ am Ende bin, sehe ich, dass mir jemand, der nicht ganz unschuldig an so mancher Nachtwacht ist, die ganze Zeit beim Schreiben zugesehen hat: der Vollmond.
Am Morgen danach mögen die Störstoff-Trugbilder wieder verblassen, aber Schlaflosigkeit ist und bleibt zum Gähnen. Das einzig Gute, was ich so einer Nachtwacht abgewinnen kann, ist unser Song. Und den kannst du dir hier (sogar mit Video) reinziehen:

Ich wünsche dir jedenfalls guten Schlaf und danke dir, dass du hier bist. Übrigens ist der Schlaf manchmal gar nicht so erholsam:
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