Warum fällt es erwachsenen Menschen – insbesondere Frauen – manchmal so schwer, eine Grenze einfach als Grenze stehen zu lassen? Mitunter braucht es ganz schön viel Kraft, ein „Nein“ auszusprechen. Wenn du meinst „Ich will nicht“, aber sagst „Ich kann leider nicht“, ist eine anstrengende Diskussion eröffnet.
Wer erwachsen ist, ist so einigen Wegelagerern schutzlos ausgeliefert.
Lass mich dies am Beispiel von Sebastiane erzählen (ja, Sebastiane ist wirklich ein Frauenname). Sebastiane lernte vor einiger Zeit in ihrem Fitnessclub Manfred kennen. Sie hatte ihn nämlich um Hilfe beim Verstellen der Beinpresse gebeten, als er gerade vorbei schlenderte.
So entstand ein Gespräch und Manfred wich nicht mehr von ihrer Seite. Er begleitete sie von Gerät zu Gerät und erzählte vom Trainieren, von seiner Familie und überhaupt aus seinem Leben.
Er meinte, sie könnten doch gemeinsam Radfahren oder schwimmen gehen. Sebastiane fand Manfred sehr sympathisch, fragte ihn aber, was er denn als verheirateter Mann von ihr wolle. Er lächelte nur verlegen und blickte sich peinlich berührt nach ein paar Trainierenden in der Nähe um.

Ein klares “Nein” ist das beste Schutzschild.
Erst später ging er wieder auf ihre Frage ein: „Weil du gefragt hast, was ich denn von dir will: Ich suche nur eine Frau, mit der ich etwas unternehmen kann, denn mit meiner Frau habe ich nicht mehr viel gemeinsam.“ Die Frage sei peinlich gewesen, fügte er noch hinzu, denn er kenne in diesem Fitnessclub so ziemlich jeden.
Manfred versuchte Sebastiane auf ein Treffen festzunageln. Sie verneinte.
Fünf Tage später traf sie ihn wieder zufällig im Fitnessclub. Sie hatte eigentlich gerade gehen wollen, er war gerade gekommen und meinte: „Willst du mich jetzt wirklich schon alleine lassen? Ich bin doch nur wegen dir gekommen.“ Also ließ sie sich noch zu 25 Minuten auf dem Crosstrainer überreden.

Er blieb neben Sebastiane am Crosstrainer, erzählte von seinem Pool und dem technischen Aufbau der Pooleinfassung, die er eigenhändig im Garten des Einfamilienhauses errichtet hatte.
Zwischen den Berichten über sein trautes, paradiesisches Familienheim streute Manfred immer wieder verbale Annäherungsversuche ein und forderte Sebastiane sogar auf, ihn auf ein Bier zu sich nachhause einzuladen. Sebastiane wehrte ab.
„Gefalle ich dir denn gar nicht?“, frage Manfred treuherzig, „ich habe schon das Gefühl gehabt, dass zwischen uns eine Anziehung ist und dass du mich attraktiv findest.“


„Attraktiv finde ich dich schon, aber das bedeutet ja nicht, dass ich mir mit dir gleich etwas anfangen muss“, entgegnete die Frau, „schließlich bist du vergeben.“
Manfred lächelte und erinnerte sie: „Ich hab dir doch erzählt, dass mich mit meiner Frau nichts mehr verbindet.“
„Nichts verbindet?“, staunte Sebastiane, „du erzählst von Einfamilienhaus, Pool, Kindern – all das verbindet euch und das wird auch so bleiben. Was sagt denn deine Frau dazu, dass du hier auf Aufriss bist?“

„Über solche Themen reden wir nicht mehr“, versicherte er. Sie fühlte sich bedrängt und er verstand nicht, warum sie ihn zurückwies, wo er doch das Gefühl hatte, attraktiv auf sie zu wirken.

„So etwas wie das mit dir habe ich noch nie erlebt: Ich mag dich und ich will dich. Nimm mich“, konkretisierte er sein Anliegen. Diese Übertreibung war eine red flag und bestärkte Sebastiane in dem Glauben, dass er andauernd versuchte, Frauen abzuschleppen.
Dieser Fitnessclub-Kontakt war Sebastiane zunächst keineswegs unangenehm gewesen, schließlich hatte er wertvolle Trainingstipps für sie, aber seine Versuche, die Bekanntschaft rasant zu vertiefen, setzten sie unter Druck.
Er verhielt sich, als wäre eine leidenschaftliche Affäre die logische Konsequenz ihrer Zufallsbekanntschaft und als müssten sie zwischen Trainingsgeräten eigentlich längst auf Wolke 7 schweben.

Sympathie ist keine Einladung. Attraktivität ist keine Einwilligung. Freundlichkeit ist kein Versprechen.
Erkenntnis
Was wäre die richtige Reaktion?
Was sollte Sebastiane sagen?
Die lange Version:
„Nein, ich werde nicht deine geheime Geliebte spielen, die aus deinem fixen Familienleben mit Einfamilienhaus und Pool ausgesperrt bleibt und nur nach deinem Bedarf benutzt wird.“
Die klügere Version:
„Nein.“ Das sollte reichen. Denn jede weitere Argumentation führt nur zu unnötigen Diskussionen.
Und nun zur Frage: Wer bewahrt Erwachsene davor, benutzt zu werden? Die Erwachsenen selbst und ihr klares „Nein“.
Danke, dass du an diesem siMOuNTAG bis hierher gelesen hast. Die Notwendigkeit für ein weiters “Nein” und der nächste siMOuNTAG kommen bestimmt:
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