Was die Begegnung mit dem wirklich, wirklich Bösen erst ermöglicht? Der verbissene Glaube an das ausschließlich Gute. Hast du schon mal was von “Bias” gehört? Nun, er sorgt dafür, dass ich eine Fantasiewelt bastle, in der ich den Figuren Charakter verleihe. Wenn der nix mit der Realität zu tun hat, dann wird’s gefährlich.


Auf diesem Blog erzähle ich häufig von Enttäuschungen: Red flags, die übersehen und Grenzen, die überschritten werden, Respekt, der ausbleibt. Diese unangenehmen Dinge kommen nur von Menschen, welche eine weiße Maske verliehen bekommen haben.

“Maske” steht für das Konzept, das ich von jeder Person in meinem Umfeld habe, mit dem ich bestimme, wie ich zu jemandem stehe, wie er/sie zu mir steht und ob ich sein/ihr Verhalten als gut oder schlecht empfinde. Natürlich lege ich auch für mich fest, was jemand über mich denkt.

Ich bin die Gastgeberin am Maskenball meines Lebens und habe dreierlei Masken zu vergeben: Die Bösen bekommen schwarze, die Guten weiße und die Unsichtbaren bekommen farblose Masken.

Pauline erzählt: “Jemand Fremder braucht nur zur Türe hereinkommen, schon sehe ich, was Sache ist. Ich merke, ob mit jemandem gut Kirschen essen ist oder ob es sich um ein Charakterschwein handelt. Ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet darüber, in welche Schublade ich den Menschen stecke. Verwunderlich ist nur, warum ich mit jenen Personen, die in der Schublade  mit dem Etikett „GUT“ gelandet waren, die schlechtesten Erfahrungen meines Lebens gemacht habe. Vielleicht stimmt etwas mit meinem Schubladensystem nicht.”

Weil ich manchen Leuten voreilig die weiße Maske zugestanden und sie zu flott in mein Leben gelassen habe, ermöglichte ich mir die Begegnung mit dem Bösen. Das Schlechte wirkt unter der weißen Maske viel dunkler, der Kontrast macht die Enttäuschung größer.

Warum mir der Glaube an das Böse weder Begegnungen mit dem Bösen noch mit dem Guten ermöglicht? Weil ich jenen unter der schwarzen Maske ohnehin keine Chance gebe.
Aber ich gebe zu: Musste ich mich unfreiwillig für längere Zeit mit Schwarzmaskenträgern beschäftigen, dann durfte ich auch Gutes in ihnen entdecken.

Voreilig weiß gewählt


Ab und zu bin ich nicht ganz sicher, ob ein Gegenüber die weiße Maske auch verdient, verleihe sie ihm aber doch, weil ich mir Schönes davon erwarte. Dafür lasse ich mir einige Grenzverletzungen gefallen. Verletzungen, die nie passieren könnten, wenn Selbstwert und -mitgefühl am Steuer wären.

Zum Beispiel “Unconscious Bias” bedeutet, dass wir Stereotype oder unbewusste Vorurteile auf unser Gegenüber projizieren. Der “Bias” lenkt natürlich auch unseren Umgang mit anderen.

BIAS ist sozusagen eine Voreingenommenheit, die aus Vorerfahrungen entsteht
Weiße und schwarze Masken: Wer eine weiße Maske erhält, hat mehr Möglichkeiten, uns zu enttäuschen, als Leute, welche die schwarze Maske aufgesetzt bekommen.

Es nutzt nichts, wenn die weiße Maske schöne Worte nutzt, die nicht echt (ehrlich) sind. Schöne Worte können zu Verrätern werden, wenn das Verhalten nicht damit konform geht. Taten sind um einiges aussagekräftiger als der Begleittext. Sagt jemand „Du bist mir so wichtig“, nimmt sich aber nie Zeit für dich – wie lange wirst du seinen Worten glauben?

Doch leider habe ich mir vorgenommen, die betreffende Person lieb zu finden, trägt sie doch die weiße Maske nicht umsonst. Dies kommt schon nahe an einen Freibrief heran, welcher der Person erlaubt, meine Grenzen zu überschreiten.

Körpersprache und Mimik tun sich schwerer damit, das Echte zu verschleiern als Worte.

Wenn die Kommunikation nur das Echte, Ehrliche unterstützen würde, dann gäbe es ein paar Probleme weniger auf dieser Welt, oder? Echt sein zu dürfen – ich glaube, das ist für die psychische Gesundheit unerlässlich.

Danke, dass du dich auf diesen Gedankenanstoß eingelassen hast. Ich bin sicher, du hast eine Meinung dazu und ich würde mich freuen, sie zu hören.

Jeden SIMOuNTAG erscheint an dieser Stelle ein neuer Blog-Artikel:

  • Die fatale Fantasie von “gut & böse”
    Was die Begegnung mit dem wirklich, wirklich Bösen erst ermöglicht? Der verbissene Glaube an das Gute. Ich bastle mir eine Fantasiewelt, in der ich den Figuren Charakter verleihe. Wenn der nix mit der Realität zu tun hat, dann wird’s gefährlich.
  • “Red´ nächstes Mal in a Sackl”
    Gute Kommunikation bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden. Gute Kommunikation heißt manchmal, mit Worten zu sparen. Denn wer mit der Textkeule um sich schlägt und das Gegenüber zum Mistkübel degradiert, hinterlässt eventuell verbrannte Erde. Wer nicht auf den Gesprächspartner eingeht, sollte besser in ein Sackl reden.
  • Start in ein Leben ohne Krafträuber
    Ohne schlechtes Gewissen auf sich zu schauen, ist für manche gar nicht so einfach. People Pleaser und Energievampire ziehen einander magnetisch an, denn wer seine Bedürfnisse zurücksteckt, meistens “ja” sagt und keine Grenzen steckt, den finden die Blutsauger immer! Hier gibt es vier Schritte raus aus der Sklaven-Falle.
  • Danke für nichts
    Wir brauchen nicht hellsehen zu können um zu wissen, wie ernst manche Versprechen oder Ankündigungen gemeint sind. Es genügt, hellhörig zu sein. Denn große Worte erweisen sich mitunter als Schall und Rauch und werden nur gesprochen, um in den Genuss einer Dosis Vorschuss-Dankbarkeit zu kommen.
  • “Du machst dich ja dauernd nieder”
    Unserer heutigen Beispiel-Figur ist gar nicht bewusst, dass sie sich verbal dauernd abwertet, bis ein Gesprächspartner sie aufbrausend darauf hinweist. Die Sprache deckt Dynamiken auf, in denen wir gefangen sind, vor allem, wenn so ein Feedback kommt. Darum suche ich heute nach Wegen, die Kommunikationsstrategie der Selbstabwertung hinter sich zu lassen.

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