Gute Kommunikation bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden. Gute Kommunikation heißt manchmal, mit Worten zu sparen. Denn wer mit der Textkeule um sich schlägt und das Gegenüber zum Mistkübel degradiert, hinterlässt eventuell verbrannte Erde. Wer nicht auf den Gesprächspartner eingeht, sollte besser in ein Sackl reden.
Vor kurzem saß ich in einem hübschen Gastgarten und wartete auf mein bestelltes Essen, als sich ein Mann und eine Frau an den Nebentisch setzten. Die Art, wie sie beim Hinsetzen noch Frage-Antwort-Pingpong spielten, ließ vermuten, es handle sich um ein erstes Date.
Ehe sie bestellten – und bevor ich meine Steinpilzravioli serviert bekam – startete der etwa 50-jährige Mann allerdings dann einen Monolog über seine Probleme mit der (ach so schrecklichen) Ex.
Von Sorgerechtskämpfen um das Kind, Schikanen seitens der Verflossenen bis zu (ach so ungerechtfertigten) Unterhaltsforderungen spannte sich seine temperamentvolle Erzählung. Dabei sprang er von aktenkundigen Anschuldigungen, er habe die Ex beim Eingang zur Schule bedrängt über das Kennenlernen bis zu Anekdoten über ihre Hysterien während der Schwangerschaft. Sich selbst stellte dieser Mann als ausschließlich gutes, wohlwollendes Opfer dar.

Mich nervte dieser lautstarke Monolog gewaltig und wäre nicht meine Bestellung gerade in der Restaurantküche zubereitet worden, wäre ich geflüchtet.
Mir wurde schlecht. Aber nicht nur wegen der Geschichten, die mir mehr Hinweise auf den miesen Charakter des Sprechers als auf jenen der Ex lieferten, sondern vor allem wegen seines übergriffigen Kommunikationsverhaltens.

Dieser Mann überschüttete sein Date mit selbstmitleidigem Frust und degradierte es zum Müllcontainer – eigentlich sogar zum Müllschlucker. Er ging nicht auf die Frau ein, spürte nicht, ob sie diese Infos überhaupt hören wollte. Es ging nur um den Redner, nicht um die Gesprächspartnerin.
Und die Leute rundherum (zum Beispiel mich) saugte er aufgrund der Lautstärke ebenso in seine Schimpftiraden hinein.
Ob er sein Date wohl mit diesem Monolog beeindrucken konnte? Ich sage: So jemand braucht keine Dates, sondern ein Sackl, in das er seine Monologe reden kann.

Warum ein Sackl ein guter Gesprächspartner für Monologisierer ist? Ein Sackl spürt nix und dem Sackl ist es wurscht, was er hineinquatscht. Ein menschlicher Gesprächspartner hat hingegen Empfindungen, was Sprechern wie dem oben erwähnten aber wurscht ist.
Langer Rede kurzer Sinn: Es ist nicht klug, zu schnell zu viel von sich preiszugeben. Und noch schlechter ist es, blindwütig drauf los zu quatschen, ohne auf das Gegenüber einzugehen.
Wem schadet dieser Monologisierer?

- Sich selbst, weil er sich immer mehr in die Opferrolle hineinquatscht.
- Sich selbst, weil er sein Date vergrault.
- Sich selbst, weil er den Leuten rundherum als Nervensäge auffällt und in Erinnerung bleibt.
- Dem Date, das er mit maschinengewehrartigen Schimpftiraden überfordert.
- Dem Umfeld, weil es getriggert wird.
Dieser Mann spricht nicht mit der Frau an seinem Tisch, sondern benutzt sie als Müllschluckerin. Das ist sehr schlechte Kommunikation, denn er fragt nicht:
Möchte sie das überhaupt hören?
Ist sie emotional bereit dafür?
Hat sie selbst etwas zu erzählen?
Er spricht nicht mit ihr, sondern quatscht in einer Tour auf sie ein.

Erst Vertrautheit, dann Geheimnis
Eine Bekanntschaft kann sich langsam in Stufen aufbauen:
- Begegnung
- Interesse
- Annäherung
- Vertrauen
- Vertrautheit
Bis ein Vertrauensverhältnis aufgebaut ist, kann es sehr lange dauern. Eine Therapeutin erzählte mir kürzlich, dass viele Menschen – darunter auch welche mit traumatisierenden Erfahrungen, das Pferd gerne mal von hinten aufzäumen.

Jedenfalls schildern offenbar immer noch zu viele Leute ihren Zufallsbekanntschaften lang und breit intimste Erfahrungen und schlagen damit mindestens zwei Fliegen mit einer Klatsche:
- Sie triggern ihr Gegenüber, indem sie es mit schwer verdaulichen Infos belasten.
- Sie rücken sich selbst in schlechtes Licht und könnten somit boshaften Klatsch begünstigen.
Ich finde, es ist keine Unehrlichkeit, wenn du einer vielversprechenden Bekanntschaft nicht gleich den gesamten privaten Lebenslauf unter die Nase reibst.
Was und wer du jetzt bist, das kann vorerst mal für dich sprechen. Du hast ein Recht auf Privatsphäre und das Gegenüber braucht nicht gleich mit hartem Stoff aus deiner Historie überfordert zu werden.
Es ist auch nicht so, dass man Mitgefühl generiert, wenn man neuen Bekanntschaften gleich harten Tobak aus der Vergangenheit auftischt. Leider ist es schon vorgekommen, dass er/sie bloß denkt: „Aha! Da haben wir jemanden, der sich alles gefallen lässt. Ein Opfer ohne Grenzen!“ Und schon geht die Post wieder ab.
Und die Moral aus der Geschicht’:
Zu einer guten Kommunikation gehört ein einfühlsames Maß an Schweigsamkeit.
Fazit zum heutigen Post
Ich bin sehr extrovertiert und gebe hier viele Geschichten preis, und das jeden SiMOuNTAG:
- Die fatale Fantasie von “gut & böse”
Was die Begegnung mit dem wirklich, wirklich Bösen erst ermöglicht? Der verbissene Glaube an das Gute. Ich bastle mir eine Fantasiewelt, in der ich den Figuren Charakter verleihe. Wenn der nix mit der Realität zu tun hat, dann wird’s gefährlich. - “Red´ nächstes Mal in a Sackl”
Gute Kommunikation bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden. Gute Kommunikation heißt manchmal, mit Worten zu sparen. Denn wer mit der Textkeule um sich schlägt und das Gegenüber zum Mistkübel degradiert, hinterlässt eventuell verbrannte Erde. Wer nicht auf den Gesprächspartner eingeht, sollte besser in ein Sackl reden. - Start in ein Leben ohne Krafträuber
Ohne schlechtes Gewissen auf sich zu schauen, ist für manche gar nicht so einfach. People Pleaser und Energievampire ziehen einander magnetisch an, denn wer seine Bedürfnisse zurücksteckt, meistens “ja” sagt und keine Grenzen steckt, den finden die Blutsauger immer! Hier gibt es vier Schritte raus aus der Sklaven-Falle. - Danke für nichts
Wir brauchen nicht hellsehen zu können um zu wissen, wie ernst manche Versprechen oder Ankündigungen gemeint sind. Es genügt, hellhörig zu sein. Denn große Worte erweisen sich mitunter als Schall und Rauch und werden nur gesprochen, um in den Genuss einer Dosis Vorschuss-Dankbarkeit zu kommen. - “Du machst dich ja dauernd nieder”
Unserer heutigen Beispiel-Figur ist gar nicht bewusst, dass sie sich verbal dauernd abwertet, bis ein Gesprächspartner sie aufbrausend darauf hinweist. Die Sprache deckt Dynamiken auf, in denen wir gefangen sind, vor allem, wenn so ein Feedback kommt. Darum suche ich heute nach Wegen, die Kommunikationsstrategie der Selbstabwertung hinter sich zu lassen.


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