Wenn der Müllabfuhrkalender den Abtransport es Gelben Sacks anzeigt, so kann dies mitunter mehr sein, als ein bloßer Akt der Entsorgung – nämlich einer der Reinigung. Heute lasse ich die Protagonistin eines Literaturprojektes andeuten, was die städtische Müllabfuhr mit Seelenheil zu tun haben kann.

Bernie Bauer ist die Heldin eines Romanprojekts aus meiner Schublade. Weil sie einst verzwickte Situationen meistern musste, schreibt sie sich unter dem Pseudonym “Kathi Komb” als Bloggerin einige Lasten von der Seele.

Wenn Kathi Komb in den Katakomben ihres Daseins sauber macht, so bedient sie sich einer Bildsprache, die ins scheinbar Banale abgeleitet. Aber so wie klar, ist, dass der Müll irgendwann aus dem Haus muss, so müssen auch ihre Gedanken raus.

(Ihr Text ist ordentlich zusammengekürzt.)

Kathi Komb schreibt:

“Endlich ist er weg. Heute hab ich ihn endlich aus dem Haus getreten.

Er hat sich von mir fett füttern lassen, regelrecht gestopft hab ich ihn. Über die Feiertage hat er derart zugenommen, dass er fast geplatzt wäre. Ich bin erleichtert, weil ich ihn endlich abführen habe lassen.  

Ihr wundert euch vielleicht, warum ich mich über etwas so Banales wie den Gelben Sack auslasse.

Nun, ich kann euch das erklären: Seit der einen schlimmen Sache damals ist jeder kleine Akt der Entsorgung zu einer Art Reinigungsritual für mich geworden. Es tut gut, den Gelben Sack aus dem Haus zu treten.

Noch besser fühle ich mich, wenn ich das ungestüme Trommeln und Scheppern der Müllabfuhr höre. Wenn ich zufällig daheim bin und gerade nichts Besseres zu tun habe, gucke ich aus dem Fenster und beobachte mit Genugtuung, wie Müllmänner meinen Abfall in den Schlund des Mistautos schleudern. Dann lache ich und stelle mir vor, wie die Schlacken aus meinem Bindegewebe ebenso abtransportiert werden. 

Heute ist so ein Tag. Die Helden des Müllkommandos haben mich wieder einmal erleichtert. Seit dieser leidigen Angelegenheit damals hab ich scheinbar eine Art Entsorgungsfetisch.

Aber das macht nichts, ich hätte Tragischeres davontragen können. Schlimmstenfalls hätte ich selbst abtransportiert werden müssen, wobei dafür nicht die städtische Müllabfuhr verantwortlich gewesen wäre.

[ … ]

Könnt Ihr Euch vorstellen, warum Entsorgung für mich seither etwas von Reinwaschung hat? Jedesmal, wenn ich etwas in die Tonne trete, hab ich das Gefühl, ein heiliges Ritual auszuführen.

Mit den drei ersten Säcken war es nicht getan. Immer wieder tauchte irgendein unnützes Teil auf, das mit grauenhaften Erinnerungen aufgeladen war. Hatte ich wieder ein paar solcher Restposten in die Tonne getreten, genoss ich das ungestüme Trommeln der Müllabfuhr auf der Straße besonders. 

Auch mit jedem Sackerl, in dem sich das Leergut sammelt, verschwindet ein Stück Last.

Viele Jahre danach empfinde ich immer noch Erleichterung, sobald ich einen Müllsack aus dem Haus getreten habe. Das zeigt, wie lange seelische Wunden bluten können...”

Das war bloß ein kleiner, stark gekürzter Ausschnitt aus dem Roman “Bringschuld”, in dem es um Resilienz, den Umgang mit unangenehmen Erinnerungen und eine gefühlte Bringschuld geht.

Das Hinaustreten des Unrats ist nur ein konnotiertes Beispiel für den Befreiungsschlag der Protagonistin, aber – wie ich finde – ein gutes.

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