Du bist, was du isst? Wer bedacht kommuniziert, achtet darauf, was aus dem Mund kommt. So gesehen wäre auch eine Knoblauch-Fahne eine mündliche Äußerung. Die Freiheit, sich eine Zehe nach der anderen reinzuschieben, sinkt mit der Intensität von persönlichen Kontakten.  

Seit ich einem Beruf mit vielen persönlichen Kontakten nachgehe und nicht mehr fast ausschließlich im Homeoffice oder alleine in einem Büro arbeite, verzichte ich auf meinen geliebten morgendlichen rohen Knoblauch.

Daraus habe ich etwas über die Inkompatibilität von persönlichen Vorlieben und Gesellschaftsfähigkeit gelernt. Ui, das hab ich jetzt geschwollen ausgedrückt. Anders gesagt: Manches, was ich gerne tun würde, macht mich zu einem unangenehmen Mitmenschen.

Knoblauch als Freiheitsindikator

Eine gewisse Freiheit zeigt sich darin, wie viel Knoblauch man essen darf. (Obwohl – Freiheit ist relativ, man könnte es auch Vereinsamung nennen. Aber man kommt mit dem Alleinsein besser zurecht, wenn es den Vorzug des Knoblauchessens mit sich bringt.)

Knoblauch ist etwas Feines. Nicht jeder verträgt ihn. Aber es gibt Menschen, die würden gerne schon zum Frühstück ein, zwei, drei Zehen verdrücken. Ich bin so ein Mensch.

Als ich den Großteil meiner Arbeitszeit im Homeoffice verbrachte, konnte ich mich nach Herzenslust an der scharfen Knolle bedienen. Niemand musste meine Knoblauch-Entscheidungen unmittelbar mittragen. Ich konnte essen, was ich wollte, weil ich sowieso viel alleine war.

Jetzt arbeite ich vermehrt von Angesicht zu Angesicht mit Menschen. Und damit schrumpft meine Knoblauchfreiheit. Zumindest dann, wenn ich Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen und vermeiden möchte, dass mir ein gewisser Ruf olfaktorisch vorauseilt.

Knoblauch und Kommunikation

Das Resümee kommt einer indirekt proportionalen Funktion gleich: Je mehr wir mit Menschen zu tun haben, desto seltener können wir uns dem Genuss von rohem Knofe hingeben.

Und da sind wir auch schon bei der Kommunikation. Wir kommunizieren mit Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und natürlich mit dem, was aus unserem Mund kommt. Und das muss nicht immer akustisch sein.

Dasselbe gilt natürlich auch für Zwiebel, Porree und andere Köstlichkeiten aus dem Gemüsegarten. Weiters auch für Tabak und alkoholische Getränke. Sie alle sprechen für oder gegen uns, bevor wir ein Wort sagen können.

Für mehr Weisheiten über die Eigenheiten der Kommunikation schau nächsten SiMOuNTAG wieder rein:


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *