Ich bin außer mir

Ich bin außer mir

Warum wird meine Zeit erst dann wertvoll, wenn jemand anderes darin vorkommt? Alleinsein ist keine Lücke im Terminkalender. Es ist wichtige Zeit. Selbstfürsorge sollte keine Belohnung dafür sein, dass alle anderen Termine erledigt sind, sondern ein Fixpunkt mit Priorität.

„Tut mir leid, ich hab keine Zeit, ich hab heute Me-Time, ein paar Stunden für mich.“

„Spinnst du? Wenn du eh alleine bist, kannst du ja eh kommen.“

oder

„Tut mir leid, ich hab keine Zeit, ich hab heute ein Date mit meinem Freund, ein paar Stunden für uns.“

„Ja klar, entschuldige! Viel Spaß euch beiden!“

Date mit einem anderen = legitimer Termin.
Date mit mir selbst = eigentlich kein Termin.

Gängige meinung

Wenn ich mich selbst wertschätzen und bei mir bleiben soll, dann brauche ich eben Zeit für mich. Und zwar für mich alleine. Ich bin ja schließlich auch jemand. 

Warum bin ich unglücklich, wenn ich zu viel arbeite? Vielleicht, weil ich dann irgendwann nicht mehr bei mir bin.

Warum bin ich erschöpft, wenn ich ständig für alles Andere da bin? Weil ich mich selbst dabei aus den Augen verliere.

Und warum soll meine Verabredung mit mir selbst weniger gelten als eine mit jemand anderem?

Warum zählt es nicht als Verhinderungsgrund, wenn ich mit mir alleine sein will? Weil das kaum jemand erkennt.

Warum war es so schön für mich, als ich im Sommer am See in Ruhe lauschen konnte, wie der Wind durch das Schilf strich? Weil ich ganz bei mir war und mir genügte. Warum vermisse ich jetzt den Klang des Schilfs so sehr? Weil ich zu viel um die Ohren und mich verlassen habe.

Vielleicht vermisse ich das Schilf gar nicht. Vielleicht vermisse ich die Frau, die dort saß und sich selbst genügte.

Gedanken, Erinnerungen und Betrachtungen gibt es jedensiMOuNTAG an dieser Stelle:


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