Um manche Leute könntest auf Händen herumlaufen, ihnen virtuose Ständchen bringen, dennoch scheint ihnen egal zu sein, dass du existierst. Sie schauen durch dich durch. Diese Gleichgültigkeit tut weh. Jeder Mensch will gesehen werden. Aber auch die Null-Emotion hat eine gute Seite.
Vielleicht hast du schon Menschen erlebt, denen egal ist, wie gut du sie behandelst, dass du alle Regeln des Knigge befolgst und ihnen sogar Komplimente machst. Sie erinnern sich beim nächsten zufälligen Treffen nicht einmal an dich. Ganz egal, wie gepflegt du bist, welche Fertigkeiten du auch drauf hast – sie rühren kein Ohrwaschl.

Alle diese Emotionen, egal ob im negativen oder positiven Bereich, haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nicht mit Gleichgültigkeit vereinbaren. Wer auch immer mir eine dieser Emotionen entgegenbringt, nimmt mich wahr und reagiert auf mich, im Guten oder im Schlechten.
Wer aber nur Gleichgültigkeit für dich übrig hat, obwohl er oder sie dich kennt, bringt dir null entgegen und wird vermutlich nur schwer zu bewegen sein, den Zahlenstrahl nach oben oder unten zu klettern.
Was heißt “gleichgültig” eigentlich?
Von “gleichwertig” zu “bedeutungslos”: Eigentlich bedeutete gleichgültig im Standardwortschatz des 17. Jahrhunderts „gleich viel geltend“, womit es eher im Sinn von „es ist unwichtig, wie man sich entscheidet“ genutzt wurde. Im Laufe der Zeit verschob sich die Bedeutung vor allem zu „unwichtig, bedeutungslos“ hin. (Vgl. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2011, S. 362.)
Gleichgültig – der Song
Du studierst Adolph Freiherr von Knigge.
Lernst ständig von der Pike
Wie der Umgang mit Menschen gelingt
Und jedes Wort wie Honig klingt.
Nur falls es dir nicht gleichgültig ist: Das ist “Knigge”
„Knigge“ ist zu einem Synonym für das Benimmbuch schlechthin geworden. Adolph Freiherr von Knigge (1752–1796) veröffentlichte 1788 sein Ratgeber-Buch „Über den Umgang mit Menschen“. Es wurde zum durchschlagenden Erfolg. In den folgenden Jahrhunderten erschien eine Vielzahl an Ratgeberliteratur für gute Umgangsformen für Privatleben und Beruf. So wie wir heute jeden Klebstoff „Uhu“ nennen, egal von welcher Marke, so wurde „Knigge“ die inoffizielle Bezeichnung für Bücher mit Benimm-Regeln, egal wer der Verfasser ist.
Gleich, gleich, gleichgültig, gleich –
Gleich, gleich, gleichgültig gleich –
Es ist gleichgültig, völlig egal,
Ein kaltes Herz bleibt schal.

Du lernst Sprachen, bist brav im Beruf
Hast niemals Fußpilz an deinem Huf,
Deine Stimme ist niemals zu laut,
Deine Wohnung keinesfalls versaut.
Gleich, gleich, gleichgültig, gleich –
Gleich, gleich, gleichgültig gleich –
Es ist gleichgültig, völlig egal,
Ein kaltes Herz bleibt schal.

Du könntest dich auf den Kopf stellen, mit Füßen wacheln
Und dabei Süßholz hacheln,
Fressen wie Schwarzwild im Wald,
Denn du hast erneut geschnallt:
Gleich, gleich, gleichgültig, gleich –
Gleich, gleich, gleichgültig gleich –
Es ist gleichgültig, völlig egal,
Ein kaltes Herz bleibt schal.

Übrigens: Mit dem Schal (l.) hat das kalte, schale Herz nichts zu tun.
Unser “schal” hier bedeutet “fade, abgestanden” zum Beispiel im Bezug auf Getränke. Im übertragenen Sinn bedeutet es auch „gehaltlos, witzlos, reizlos“ wie die gezeigte Person (r.).
Falls du noch mehr über “schal” wissen willst, sieh hier nach.
Verwandt mit dem englischen shallow (seicht): Laut etymologischem Wörterbuch ist „schal“ ein Adjektiv aus dem Standardwortschatz, das schon im Frühneuhochdeutschen (16. Jahrhundert) für “fad” genutzt wurde. Im Mittelniederdeutschen steht es auch für „dürr“ und „trocken“. Es entspricht dem Mittelenglischen shalowe, das „seicht“ und „matt“ heißt. (Vgl. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2011, S. 793.)
Die Null-Emotion
Während normalerweise starke Emotionen, die meist weit rechts vom Nullpunkt unseres Emotionen-Zahlenstrahls angesiedelt sind, Triebfedern und Inhalt von Songs sind, lande ich mit der Gleichgültigkeit auf dem Nullpunkt.
Somit schwingen im Song erst wieder starke Emotionen mit – eine Melange aus einzelnen Punkten links vom Nullpunkt. Denn es schmerzt, jemandem Wurscht zu sein, für den man sich ins Zeug legt.
Ein kaltes Herz bleibt schal, da nutzt es nichts, auf Händen zu laufen und dabei mit den Füßen zu wacheln, während die andere Person aufs Handy schaut und dabei in der Nase bohrt.

Ein kaltes Herz ist keinen Aufwand wert. Du solltest nicht einmal eine Halswirbel bemühen, um den Kopf in seine Richtung zu wenden.
Die gute Gleichgültigkeit
Auch die Wurschtigkeit hat gute Seiten:
Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn du dich nächtelang im Halbschlaf hin und her wälzt, weil du dich über jemanden oder etwas ärgerst, oder an einem nicht enden wollenden Schmerz laborierst, weil du von jemandem zurückgewiesen wurdest. Oder wenn du dich kränkst, weil du einen Job oder Auftrag nicht bekommen hast.
Kommst du endlich drüber hinweg, weil die Gefühle für die Person oder Sache schleichend verblassen, dann wird deine Gleichgültigkeit zur Erlösung.
Jeden Montag um 7 Uhr morgens erscheint eine neue Song-Geschichte. Es ist mir nicht gleichgültig, dass du hier bist sondern ich freue mich!
- Warum müssen wir diesen akustischen Schmutz ertragen?Es klingt wie Glühbirnen in einem Standmixer: Das Handy 30 cm vor dem Gesicht, die Fresse eines Gesprächspartners am Display und das Handy auf ultra-laut – und das im Zug 20 cm neben… Read more: Warum müssen wir diesen akustischen Schmutz ertragen?
- Unser Gig im Garden ProjectEs ist ein Musterbeispiel an Bottom-Up-Kultur, was aus einem verwunschenen Garten inmitten einer Häuserzeile, die schon fast abgerissen worden wäre, entstand: Das Garden Project an der Steiner Donaulände wurde von Kremsern für alle geschaffen und wir durften als Band am 12. September 2026 dort auftreten.
- Die fatale Fantasie von “gut & böse”Was die Begegnung mit dem wirklich, wirklich Bösen erst ermöglicht? Der verbissene Glaube an das Gute. Ich bastle mir eine Fantasiewelt, in der ich den Figuren Charakter verleihe. Wenn der nix mit der Realität zu tun hat, dann wird’s gefährlich.
- “Red´ nächstes Mal in a Sackl”Gute Kommunikation bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden. Gute Kommunikation heißt manchmal, mit Worten zu sparen. Denn wer mit der Textkeule um sich schlägt und das Gegenüber zum Mistkübel degradiert, hinterlässt eventuell verbrannte Erde. Wer nicht auf den Gesprächspartner eingeht, sollte besser in ein Sackl reden.
- Start in ein Leben ohne KrafträuberOhne schlechtes Gewissen auf sich zu schauen, ist für manche gar nicht so einfach. People Pleaser und Energievampire ziehen einander magnetisch an, denn wer seine Bedürfnisse zurücksteckt, meistens “ja” sagt und keine Grenzen steckt, den finden die Blutsauger immer! Hier gibt es vier Schritte raus aus der Sklaven-Falle.







Leave a Reply