Bitte schau mal über dieses attraktive Gartentürl: Sind Gras und Blätter da drinnen nicht um einiges grüner als bei dir zuhause?

Nein?

Tja, was bedeutet denn dann das sogenannte Grass-is-greener-Syndrom?

Kennst du wenigstens das? Du siehst einen super Pulli in einem Geschäft – teuer, aber so schön, dass du ihn haben musst. Dann gehört er schon eine Weile dir, du hast ihn ein paar Mal getragen, aber für dich ist er nichts Besonderes mehr. Ein fades Stück wie all das andere Zeug in deinem Kasten.

Isolde hatte sich einst derartig in dieses sündteure Kleid verliebt, dass sie dafür ihr Konto überzogen hat. Zweimal getragen … und jetzt? So fad wie alles andere in ihrem Schrank.

Der Pulli ist zwar nicht unattraktiver geworden (denn so oft hast du ihn noch nicht gewaschen), aber für dich verliert alles, was dir zu nahe kommt, an Glanz.

Dieses Phänomen gibt es auch in Bezug auf enge Freunde:

Eberhard erhielt eine Einladung für sich und „plus eins“ zu einem Gartenfest. Das alleine wäre noch nichts Außergewöhnliches. Mit „plus eins“ war seine On-Off-Freundin Margot gemeint. Nun war es aber so, dass dieser Garten ziemlich versteckt – ja, schwierig zu finden – war.

Karl lädt öfter zu Grillpartys in seinen versteckten Garten irgendwo in der Pampas. Man braucht echt Geschick, um dort hinzufinden, wenn man noch nie dort war. Das Navi nutzt dir dort auch nicht viel, weil es Güter- und Privatwege sind, über welche die Odyssee führt.

Weil Eberhards Freundin direkt von ihrer Arbeitsstelle selbst du diesem versteckten Garten anzureisen hatte, erhielt sie via WhatsApp einen Lageplan. Eberhard meldete dem Einladenden: „Margot wird wohl nicht erscheinen, denn die schafft es sicher nie, diesen Garten zu finden.“

Der Gastgeber, Karl, hingegen erkannte ein Muster und fragte Eberhard: „Sag mal, warum sprichst du deiner jeweils aktuellen Freundin die Kompetenz ab, sich auf dieser Welt zurechtzufinden?“

Entgegen Eberhards Weissagung konnte Margot den Plan lesen und erschien pünktlich zur Party.

Tja, da wunderte sich Eberhard schon einigermaßen, als Margot rechtzeitig bei der Gartenparty in der völligen Pampas erschien.

Eberhard ist es, der einem Phänomen anheimfällt, das sich in der systematischen Abwertung nahestehender Personen, beziehungsweise des eigenen Umfelds manifestiert. Und damit steht er nicht alleine da, sonst gäbe es nicht schon längst eine Reihe von Fachbegriffen für diese Denkweise:

Familiarity breeds contempt (englisch: „Vertrautheit erzeugt Geringschätzung“) oder Grass-is-greener-Syndrom („Das Gras ist auf der anderen Seite grüner“): Die Neigung zu glauben, dass andere Familien, Arbeitsplätze, Städte oder Lebenssituationen besser seien als die eigene.

Wenn ich hier von Eberhard spreche, dann ziehe ich ihn stellvertretend für alle Geringschätzungen des Vertrauten heran.

Ich glaube nämlich, dass Eberhard (wie viele andere) unter Minderwertigkeitskomplexen leidet und sich daher nicht vorstellen kann, dass eine Person, die sich mit ihm abgibt, kompetent, klug und souverän handlungsfähig ist.

Könnte das Gras da drüben grüner sein?

Weißt du, was ich glaube?

Auf der anderen Seiten arbeiten’s auch nur mit Chlorophyll.

Jeden SiMOuNTAG gibt es an dieser Stelle Weisheiten aller Art:


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